Sichtbar werden als Coach: So fällt es dir leichter, dich zu zeigen.
Dienstagabend, kurz nach 8. Deine letzte Kundin hat sich gerade aus dem Zoom verabschiedet, die Sitzung war richtig gut. Du nimmst das Handy. Der Beitrag, an dem du am Wochenende gesessen hast, ist fertig. Text und Foto passen, dein Daumen liegt schon auf „Teilen“. Dann denkst du an deine frühere Kollegin und an die Coachin, die so viel schöner formuliert als du: „Was denken die bloß, wenn sie das lesen?“ Du speicherst den Beitrag als Entwurf. Hier erfährst du, warum es vielen Coaches so schwerfällt, sich zu zeigen, was meistens dahintersteckt und mit welchem Schritt es heute schon leichter wird.
Kurz gesagt
- Wenn deine Beiträge im Entwurf liegen bleiben, fehlt dir selten die Zeit. Schwer ist der Moment, in dem du dich zeigst, auch vor Menschen, die dich von früher kennen.
- Meist bremsen dich zwei Gedanken: Was denken die anderen? Und klinge ich nicht wie alle?
- Sichtbar wirst du zuerst mit einer Botschaft, die du gern sagst. Reichweite kommt danach.
- Dein erster Schritt: Schreib auf, wessen Blick du beim Posten im Kopf hast. Oft ist es eine einzige Person, und meistens gehört sie gar nicht zu deinen Kunden.
Warum es selten an der Zeit liegt
Das sehe ich bei vielen Coaches, mit denen ich anfange: Auf dem Handy liegen 10, 15 fertige Beiträge. Gute Beiträge, mit passendem Foto. Keiner davon ist online. Und dann heißt es: „Ich hab gerade einfach keine Zeit für Content.“
Die Zeit war aber da, der Beitrag ist ja geschrieben. Was fehlt, ist der Moment, in dem du aushältst, gesehen zu werden. Auch von Menschen, die dich noch aus deinem früheren Job oder vom Elternabend kennen.
Dass dir das schwerfällt, hat einen Grund. Im Coaching bietest du zu einem guten Teil dich selbst an, deine Art, zuzuhören und Fragen zu stellen. Ein Beitrag über deine Arbeit fühlt sich deshalb schnell an wie ein Beitrag über dich als Mensch. Und wer sich als Mensch zeigt, kann auch als Mensch abgelehnt werden. Kein Wunder, dass der Daumen über dem Knopf zögert.
Dir fehlt selten die Zeit für einen Beitrag. Schwer ist der Moment, in dem du auf „Teilen“ drückst.
Darum steht die Persönlichkeit in meiner Arbeit mit Coaches als erster Baustein ganz am Anfang, noch vor Positionierung und Marketing. Ein Redaktionsplan hilft dir wenig, solange jeder Beitrag im Entwurf liegen bleibt. Wie die Bausteine aufeinander aufbauen, zeigt der Artikel Coaching Business aufbauen.
„Was denken die anderen?“
Der erste Gedanke, der viele Coaches bremst, hat ein Gesicht. Die Schwägerin, die beim Familienessen eine Augenbraue hebt. Der frühere Kollege, der sich fragt, was du da eigentlich machst.
Ohne es zu merken, schreibst du dann für diese Menschen. Und für sie ist kein Text gut genug, denn sie kennen dich in einer anderen Rolle und suchen bei deinem Thema gar keine Hilfe. Die Frau, die dein Thema gerade erlebt und nachts darüber grübelt, liest deinen Beitrag dagegen nie, weil er im Entwurf liegt.
Manchmal kommt tatsächlich ein Spruch: „Machst du jetzt auf Influencerin?“ Das trifft, gerade wenn es von jemandem kommt, der dir wichtig ist. Hilfreich ist dann eine einfache Frage: Würde dieser Mensch mich jemals buchen? Wenn nicht, darf seine Meinung über deine Beiträge leiser werden. Gern haben darf er dich trotzdem.
„Klinge ich nicht wie alle?“
Der zweite Gedanke kommt beim Scrollen. Eine andere Coachin hat schon über genau dein Thema geschrieben, kürzer, mit schöneren Bildern und 300 Likes. Wozu dann noch dein Beitrag?
Bei anderen siehst du immer nur, wo sie heute stehen. Ihre ersten unsicheren Beiträge, vielleicht mit 9 Likes, liegen weit unten im Profil, und dorthin scrollt kaum jemand. Du vergleichst gerade deinen Weg mit dem Ergebnis von Jahren.
Dass schon jemand über dein Thema spricht, ist eher ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass Menschen genau dieses Problem haben. Was dich unterscheidet, ist deine Erfahrung mit den Menschen, mit denen du schon gearbeitet hast, und die Art, wie du darüber sprichst. Die hat keine andere Coachin. Am Ende bucht dein Gegenüber den Menschen, bei dem es sich verstanden fühlt, und das muss nicht der mit den meisten Likes sein.
Warum der beste Beitrag am längsten im Entwurf liegt
Viele versuchen, das mulmige Gefühl mit Qualität zu beruhigen. Noch eine Runde am Text, ein besseres Foto, vielleicht doch ein professionelles Video. Jede Runde legt allerdings die Latte höher, an der du später scheitern kannst. Deshalb liegen oft gerade die aufwendigsten Beiträge am längsten im Entwurf.
Leichter wird es meistens, wenn du kleiner anfängst. Mit einem Gedanken aus deiner letzten Sitzung, ohne Namen und ohne erkennbare Details. Oder mit einer Frage, die dir eine Kundin gestellt hat und die dir seitdem nachgeht. Das fühlt sich weniger nach Auftritt an und mehr nach dem, was du ohnehin jeden Tag tust.
Sichtbarkeit beginnt mit einer Botschaft, die du gern sagst
Die meisten Tipps zur Sichtbarkeit drehen sich um Reichweite: öfter posten, auf mehr Kanälen. Das ist der zweite Schritt vor dem ersten. Solange du nicht weißt, was du eigentlich sagen willst, fühlt sich jeder Beitrag an wie ein Auftritt ohne Probe.
Leichter wird es mit einer Botschaft, hinter der du stehst. Ein klarer Gedanke über das Problem, das du bei deinen Kundinnen und Kunden immer wieder siehst, und deine ehrliche Meinung dazu. Im Erstgespräch sagst du so etwas vermutlich längst ganz selbstverständlich. Ein Beitrag ist dann nur noch ein Gespräch mit einem Menschen, der gerade nicht im Raum sitzt.
Woran du eine Botschaft erkennst, die du gern sagst
Du würdest sie genauso beim Abendessen mit Freunden sagen.
Sie beschreibt etwas, das du bei deinen Kunden wirklich erlebt hast.
Wenn jemand widerspricht, kannst du in Ruhe erklären, warum du das so siehst.
Du freust dich ein bisschen, wenn du sie aussprichst.
Für wen genau du schreibst, klärst du in deiner Positionierung. Wie aus deinen Inhalten Gespräche werden, steht im Artikel Marketing für Coaches. Hier geht es um den Teil davor: dass du dich überhaupt zeigst.
Dein erster Schritt: Wessen Blick hast du im Kopf?
Nimm dir 10 Minuten und den Beitrag, der am längsten in deinen Entwürfen liegt. Hast du keinen, nimm den, den du zuletzt fast nicht veröffentlicht hättest.
- Lies den Beitrag so, als wäre er gerade online gegangen.
- Schreib auf, wer dir dabei als Erstes einfällt. Ein Name oder ein Gesicht reicht.
- Schreib daneben, was dieser Mensch deiner Befürchtung nach denkt, so wörtlich wie möglich.
- Frag dich ehrlich, ob er dich jemals buchen würde.
- Schreib dann auf, für welche Kundin oder welchen Kunden der Beitrag eigentlich gedacht ist. Lies ihn noch einmal mit genau diesem Menschen im Kopf.
Oft ist es eine einzige Person, deren Blick du fürchtest. Sobald sie auf dem Zettel steht, kannst du bewusst entscheiden, wie viel ihre Meinung über deine Beiträge mitreden darf. Und du merkst, dass du die ganze Zeit für jemanden geschrieben hast, der gar nicht gemeint war.
Wenn du magst, veröffentliche den Beitrag direkt danach. Besser werden muss er dafür nicht.
Was bremst dich gerade am meisten?
Mit 6 kurzen Fragen siehst du, welcher Baustein in deinem Coaching Business gerade bremst. Manchmal bremst du dich auch selbst aus. Die Auswertung bekommst du direkt danach.
Wird es mit der Zeit leichter?
Meistens ja. Das mulmige Gefühl verschwindet selten ganz, aber es wird leiser, sobald du ein paarmal erlebt hast, dass die befürchtete Reaktion ausbleibt. Irgendwann schreibt dir jemand unter einen Beitrag: „Genau so geht es mir gerade.“ Ab da weißt du wieder, für wen du das alles machst.
Manchmal reicht das allein nicht. Wenn du merkst, dass du dich beim Posten zurückhältst und genauso beim Preis oder im Erstgespräch, sitzt das Thema meist tiefer. Dann lohnt sich ein Blick von außen. Die eigenen Muster sieht man selbst am schlechtesten, gerade wenn man jeden Tag anderen hilft, ihre zu erkennen.
Lass uns schauen, was dich gerade bremst.
In 30 Minuten schauen wir gemeinsam, ob es bei dir wirklich an der Sichtbarkeit hakt oder an einem Baustein davor. Danach weißt du, wo du ansetzt, und musst nicht mehr raten.
Häufige Fragen
Warum fällt es mir so schwer, mich als Coach zu zeigen?
Weil du im Coaching zu einem guten Teil dich selbst anbietest. Ein Beitrag über deine Arbeit fühlt sich deshalb schnell an wie ein Urteil über dich als Mensch. Dazu kommt der Blick von Menschen, die dich aus deinem früheren Leben kennen. Das ist normal und wird leichter, sobald du weißt, wessen Meinung dich eigentlich bremst.
Brauche ich viel Reichweite, um als Coach sichtbar zu werden?
Nein. Für ein 1:1 Coaching reicht es, wenn die richtigen Menschen dich sehen und verstehen, wobei du hilfst. Eine klare Botschaft, die du regelmäßig sagst, bringt dir mehr als viele Follower, die sich in deinen Beiträgen nicht wiedererkennen.
Muss ich als Coach mein Gesicht zeigen?
Nicht vom ersten Tag an. Du kannst mit Texten, Fotos aus deinem Arbeitsalltag oder deiner Stimme anfangen. Weil Menschen im Coaching mit dir persönlich arbeiten, hilft es auf Dauer aber, wenn sie dich sehen und hören. Viele merken nach den ersten Versuchen, dass es weniger schlimm ist als befürchtet.
Was mache ich, wenn Familie und frühere Kollegen meine Beiträge sehen?
Rechne damit und frag dich ehrlich, ob diese Menschen dich jemals buchen würden. Meistens schauen sie kurz hin und scrollen weiter. Schreib für die Person, die dein Thema gerade erlebt. Ihre Reaktion zählt für dein Business deutlich mehr.
Wie gehe ich als Coach mit Kritik an meinen Beiträgen um?
Schau zuerst, von wem sie kommt. Eine ehrliche Frage oder ein Widerspruch aus deiner Zielgruppe kann ein guter Anfang für ein Gespräch sein. Abwertende Kommentare von Menschen, die du nie erreichen wolltest, darfst du stehen lassen, freundlich beantworten oder löschen, ganz wie es für dich passt.
Wer hier schreibt
Ich bin Nils Bodendiek, Business Coach für Coaches. 12 Jahre habe ich Unternehmen mit aufgebaut und geführt und später Websites, Funnels und Systeme für Coaches entwickelt. Heute helfe ich Coaches, Kunden zu gewinnen, auch ohne große Reichweite, mit System. Mehr über meine Arbeit