Social Media für Coaches: So werden aus deinen Beiträgen Gespräche mit neuen Kunden.
Donnerstagabend, kurz nach 9. Deine letzte Sitzung ist seit einer Stunde vorbei, und du sitzt mit dem Handy auf dem Sofa, eigentlich schon zu müde dafür. Instagram ist offen, LinkedIn auch, und im Hinterkopf wartet der Newsletter, der seit drei Wochen nicht rausgegangen ist. Deine letzte Story haben 38 Menschen gesehen. Über keinen deiner Kanäle kam in diesem Monat eine Anfrage. Und du denkst: „Vielleicht sollte ich jetzt auch noch mit TikTok anfangen.“ Hier erfährst du, was Social Media für dich als Coach leisten kann und was nicht, warum ein Kanal oft mehr bringt als alle gleichzeitig und wie aus Kommentaren und Nachrichten echte Gespräche werden.
Kurz gesagt
- Über Social Media lernen Menschen dich kennen und fassen Vertrauen. Gebucht wird dein Coaching meistens erst nach einem Gespräch.
- Ein Kanal, auf dem du wirklich da bist, bringt dir oft mehr als mehrere, auf denen du nur ab und zu auftauchst.
- Likes kommen oft von Kolleginnen und Kollegen. Deine künftigen Kundinnen und Kunden lesen meist still mit.
- Kunden entstehen aus dem, was nach dem Beitrag passiert. Dein erster Schritt: Entscheide dich für den einen Kanal, auf dem du diese Gespräche führst.
Was Social Media für dich als Coach leisten kann
Für Coaches ist Social Media vor allem ein Ort, an dem Menschen dich kennenlernen, bevor sie mit dir sprechen. Sie lesen, wie du über ihr Thema denkst, sehen dein Gesicht und merken, ob sie deine Art mögen. Irgendwann haben sie das Gefühl, dich schon ein bisschen zu kennen, obwohl ihr nie ein Wort gewechselt habt.
Das ist viel wert. Wer ein Coaching bucht, vertraut dir ein persönliches Thema an, und Vertrauen braucht Zeit. Wer seit Wochen bei dir mitliest, schreibt dir mit viel weniger Unsicherheit als ein fremder Mensch.
Was Social Media selten schafft: dein Coaching ganz allein zu verkaufen. Kaum jemand liest einen Beitrag und bucht danach direkt eine Begleitung über mehrere Monate. Dazwischen liegt fast immer ein Gespräch. Social Media Marketing für Coaches heißt deshalb vor allem, dass aus Aufmerksamkeit Gespräche werden.
Und eins kann Social Media nicht: für dich klären, wofür du stehst. Geht aus deinen Beiträgen nicht hervor, wem du wobei hilfst, sehen diese Unklarheit mit mehr Reichweite einfach nur mehr Menschen. Wie du das klärst, steht im Artikel Positionierung als Coach.
Deine Beiträge sorgen dafür, dass jemand dir vertraut, bevor ihr zum ersten Mal sprecht.
Warum ein Kanal oft mehr bringt als alle gleichzeitig
Instagram, LinkedIn, Facebook, ein Newsletter, vielleicht noch YouTube. Jeder Kanal hat eigene Formate, eigene Gewohnheiten und ein eigenes Tempo. Wer überall gleichzeitig sein will, ist am Ende überall ein bisschen und nirgends lange genug.
Dabei braucht es Wiederholung, bis sich jemand meldet. Eine Frau sieht deinen Beitrag und vergisst dich wieder. Ein paar Tage später sieht sie den nächsten, beim dritten erkennt sie dich wieder, und schreiben wird sie dir vielleicht erst Wochen später. Das passiert nur dort, wo du regelmäßig auftauchst.
Dazu kommt deine Zeit. Neben den Sitzungen mit deinen Kundinnen und Kunden bleiben dir für Marketing oft nur ein paar Stunden pro Woche. Verteilt auf 4 Kanäle bleibt für jeden kaum etwas übrig. Und am Sonntagabend sitzt du wieder da und planst Beiträge, für die eigentlich keine Kraft mehr da ist.
Ein Kanal heißt dabei nicht, dass du alles andere löschen musst. Lädst du einen Beitrag ohne Mehraufwand zusätzlich woanders hoch, ist das völlig in Ordnung. Entscheidend ist, wo du wirklich da bist, also wo du auf Kommentare antwortest und Gespräche führst. Das ist dein Kanal.
Instagram oder LinkedIn?
Eine feste Regel gibt es nicht. Hilfreich ist die Frage, wo deine Wunschkundin gerade ist, wenn sie über ihr Thema nachdenkt.
Geht es um Beziehung, Familie, Gesundheit oder Selbstwert, passiert das oft abends privat auf dem Sofa. Dann liegen Instagram oder Facebook nahe.
Bei Themen wie Führung, Karriere oder dem nächsten Schritt im Job ist dein Gegenüber dagegen häufig auf LinkedIn unterwegs, gern zwischen zwei Terminen.
Danach zählt, was dir liegt: Wer gern schreibt, ist auf LinkedIn oder im Newsletter oft gut aufgehoben, wer lieber erzählt, eher bei kurzen Videos.
Wer deine Beiträge liked und wer dich bucht
Schau dir mal an, wer deine letzten Beiträge geliked hat. Bei vielen Coaches sind das vor allem andere Coaches: die Kollegin aus der Ausbildung, ein paar Menschen aus derselben Branche, die sich ehrlich für dich freuen. Sie unterstützen dich gern. Buchen werden sie dich eher selten.
Deine künftige Kundin verhält sich oft ganz anders. Sie liked wenig und kommentiert fast nie. Sie liest abends mit, speichert sich vielleicht einen Beitrag und sagt nichts. Bis zu dem einen Beitrag, bei dem sie denkt: „Das bin ja ich.“ Dann schreibt sie dir, oft mit einem vorsichtigen Satz wie: „Ich weiß gar nicht, ob ich bei dir richtig bin, aber …“
Deshalb führen Likes so leicht in die Irre. Ein stiller Beitrag mit 9 Likes kann genau der sein, nach dem dir deine künftige Kundin schreibt, weil sie sich darin wiedergefunden hat.
Wie viele Menschen einen Beitrag liken, sagt wenig darüber, ob sich die Richtigen darin wiederfinden.
Darum lohnt es sich, jeden Beitrag für eine einzige Person zu schreiben, in einer Situation, die sie genau so kennt. Wie das geht, steht im Artikel Marketing für Coaches. Und wenn dir schon der Gedanke schwerfällt, dich dort überhaupt zu zeigen, hilft dir der Artikel Sichtbar werden als Coach.
Wie aus Kommentaren und Nachrichten Gespräche werden
Auf Social Media entstehen Kunden selten aus einem Beitrag allein. Sie entstehen aus dem, was danach passiert. Und genau hier hören viele Coaches auf. Jemand kommentiert „Kenn ich so gut“, du antwortest „Danke dir!“, und dann passiert nichts mehr.
Dabei hat dieser Mensch gerade einen Schritt auf dich zu gemacht. Er hat sich in deinem Beitrag erkannt und es sogar öffentlich gesagt. Eine Antwort mit einer echten Frage macht daraus den Anfang eines Gesprächs, zum Beispiel: „Danke dir! Woran merkst du das bei dir gerade am meisten?“
Ähnlich ist es mit Reaktionen auf deine Storys und mit Nachrichten. Wer dir schreibt, will meistens noch kein Angebot hören. Dein Gegenüber will spüren, dass jemand zuhört. Frag nach, interessier dich ehrlich für die Lage dahinter und lass dem Gespräch Zeit. Erzählt die Person von sich aus von ihrem Problem und will wissen, wie du arbeitest, ist der Moment für eine Einladung zum Erstgespräch gekommen. Wie du es dann führst, steht im Leitfaden fürs Erstgespräch.
Manche trauen sich noch nicht, dir zu schreiben. Für sie kann ein kleines Freebie der erste Schritt sein, zum Beispiel ein kurzer Selbsttest zu ihrem Thema. Und auch unter Beiträgen anderer können Gespräche beginnen: Ein ehrlicher Kommentar mit einem echten Gedanken, ganz ohne Werbung, zeigt Menschen, wie du denkst.
Und Menschen, die nie reagiert haben?
Fremde anzuschreiben, die dich noch nie wahrgenommen haben, fühlt sich für sie schnell nach Werbung an. Und dich kostet es viel Zeit, die dir für Gespräche mit Interessierten fehlt.
Auch ein neuer Follower allein ist noch keine Einladung. Schreib den Menschen, die selbst einen Schritt auf dich zu gemacht haben, mit einem Kommentar, einer Reaktion auf deine Story oder einer Frage. Alle anderen erreichst du mit deinen Beiträgen, bis sie sich von selbst melden.
Dein erster Schritt: Entscheide dich für einen Kanal
Bevor du einen neuen Kanal ausprobierst, schau dir an, was du schon hast. Du brauchst dafür 20 Minuten und einen Zettel. Schreib alle Kanäle auf, auf denen du gerade etwas machst, auch die, auf denen seit Wochen nichts passiert ist. Dann geh sie mit diesen Fragen durch und notier bei jeder Frage den Kanal, der am besten passt:
- Über welchen Kanal ist in den letzten 12 Monaten ein echtes Gespräch entstanden, also eine Nachricht, eine Frage nach deiner Arbeit oder ein Erstgespräch?
- Wo denkt deine Wunschkundin über ihr Thema nach: abends privat beim Scrollen oder eher im beruflichen Umfeld?
- Was fällt dir leichter, schreiben oder vor der Kamera erzählen?
- Welchen Kanal schaffst du ein halbes Jahr lang neben deinen Kundinnen und Kunden, auch in vollen Wochen?
Der Kanal, der bei den meisten Fragen vorn liegt, ist für das nächste halbe Jahr dein Kanal. Die anderen lässt du ruhen. Löschen musst du nichts, und wenn dort doch jemand schreibt, antwortest du natürlich trotzdem.
Das nimmt Druck raus. Du musst nicht mehr überall mithalten. Du hast einen Ort, an dem du wirklich da bist, und endlich die Zeit, dort auch die Gespräche zu führen.
Wo hakt es bei dir zwischen Beitrag und neuem Kunden?
Mit 6 kurzen Fragen siehst du, welcher Baustein in deinem Coaching Business gerade bremst. Die Auswertung bekommst du direkt danach.
Woran du merkst, dass Social Media für dich arbeitet
Zähl ab jetzt etwas anderes als Likes. Notier dir einmal pro Woche, wie viele echte Gespräche über deinen Kanal entstanden sind: Kommentare, auf die du mit einer Frage geantwortet hast und die weitergingen, Nachrichten, Fragen nach deiner Arbeit, gebuchte Erstgespräche.
Diese Zahl ist am Anfang klein, und das ist in Ordnung. Für zwei oder drei neue Kundinnen und Kunden im Monat brauchst du keine riesige Reichweite. Du brauchst genug Menschen, mit denen du wirklich sprichst, und einen klaren Weg vom Gespräch zur Zusage.
Kommt über Wochen kein einziges Gespräch zustande, obwohl du regelmäßig postest und antwortest, liegt es meistens nicht am Kanal. Dann lohnt sich ein Blick auf die Bausteine davor: Ist klar, wem du wobei hilfst? Versteht man dein Angebot in zwei Sätzen? Von innen ist das schwer zu sehen, weil du jeden Tag mittendrin steckst. Genau darauf schauen wir im Erstgespräch gemeinsam.
Lass uns deinen Weg vom Beitrag zum Gespräch anschauen.
In 30 Minuten schauen wir gemeinsam auf deinen Kanal und auf das, was nach deinen Beiträgen passiert. Danach weißt du, ob es wirklich am Kanal hakt oder an einer ganz anderen Stelle.
Häufige Fragen
Welche Social Media Plattform ist die richtige für Coaches?
Die, auf der deine Wunschkundinnen und Wunschkunden über ihr Thema nachdenken und die du neben deiner Arbeit dauerhaft schaffst. Bei privaten Themen liegen Instagram oder Facebook oft nahe, bei beruflichen Themen LinkedIn. Für den Anfang reicht ein Kanal, auf dem du wirklich da bist.
Wie bekomme ich als Coach Kunden über Instagram?
Über Beiträge, in denen sich deine Wunschkundin wiedererkennt, und vor allem über das, was danach passiert. Antworte auf Kommentare mit einer echten Frage, reagiere persönlich auf Nachrichten und lade zum Erstgespräch ein, wenn jemand von sich aus von seinem Anliegen erzählt. Aus einem Beitrag allein bucht kaum jemand.
Lohnt sich LinkedIn für Coaches?
Ja, wenn deine Kundinnen und Kunden beruflich dort unterwegs sind, etwa bei Themen wie Führung, Karriere oder Neuorientierung im Job. Wenn du gern schreibst, liegt dir LinkedIn oft besonders. Bei sehr privaten Themen erreichst du deine Wunschkundin dort eher schwer.
Wie viel Zeit sollte ich als Coach in Social Media stecken?
So viel, wie du dauerhaft schaffst, ohne dass deine Arbeit mit Kundinnen und Kunden leidet. Hilfreich sind feste Zeiten für deine Beiträge und jeden Tag ein paar Minuten für Antworten auf Kommentare und Nachrichten. Die Antworten sind dabei oft wichtiger als ein weiterer Beitrag.
Soll ich neuen Followern direkt eine Nachricht schreiben?
Ein neuer Follower allein ist noch keine Einladung zu einer Nachricht. Anders ist es, wenn jemand kommentiert, auf deine Story reagiert oder dir eine Frage stellt. Dann ist eine persönliche Antwort mit einer echten Frage ganz natürlich.
Wer hier schreibt
Ich bin Nils Bodendiek, Business Coach für Coaches. 12 Jahre habe ich Unternehmen mit aufgebaut und geführt und später Websites, Funnels und Systeme für Coaches entwickelt. Heute helfe ich Coaches, Kunden zu gewinnen, auch ohne große Reichweite, mit System. Mehr über meine Arbeit